Ein Brand im Stall, eine zerstörte Maschinenhalle – und dann? Viele Landwirte glauben, mit der Regulierung des Sachschadens sei das Schlimmste überstanden. Tatsächlich beginnt der größte finanzielle Schaden oft erst danach.
Denn selbst wenn Gebäude und Maschinen versichert sind, laufen die Kosten weiter. Tiere müssen versorgt, Kredite bedient und Mitarbeitende bezahlt werden – während Einnahmen ausbleiben. Genau deshalb gehört die Betriebsunterbrechungsversicherung in der Landwirtschaft zu den wichtigsten Bausteinen einer umfassenden betrieblichen Absicherung.
Warum eine Betriebsunterbrechungsversicherung so wichtig ist
Nach einem Brand, Sturm oder anderen versicherten Sachschaden steht der Betrieb häufig für Wochen oder sogar Monate still.
Während die Gebäude- oder Inhaltsversicherung den entstandenen Sachschaden ersetzt, bleiben viele laufende Kosten bestehen:
- Löhne und Gehälter
- Pachtzahlungen
- Darlehensraten
- Versicherungsbeiträge
- laufende Betriebskosten
Gleichzeitig brechen wichtige Einnahmen weg.
Eine Betriebsunterbrechungsversicherung übernimmt – je nach Vertragsgestaltung – genau diese finanziellen Folgen und hilft dabei, die wirtschaftliche Existenz des Betriebs zu sichern.
Die Betriebsunterbrechung ist nicht automatisch mitversichert
Ein häufiger Irrtum:
Viele Landwirte gehen davon aus, dass eine Betriebsunterbrechung automatisch Bestandteil ihrer Inhaltsversicherung ist.
Das ist jedoch nicht immer der Fall.
Die Betriebsunterbrechung muss ausdrücklich vereinbart werden. Deshalb sollte jede bestehende Police regelmäßig überprüft werden.
Eine leistungsstarke Absicherung sollte unter anderem folgende Bereiche umfassen:
- fortlaufende Fixkosten
- entgangenen Betriebsgewinn
- Mehrkosten für Ersatzmaßnahmen
- gegebenenfalls zusätzliche Aufwendungen für die Versorgung von Tieren
Informationen zum betrieblichen Risikomanagement in landwirtschaftlichen Betrieben finden Sie auch bei der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG).
Warum 12 Monate Haftzeit häufig nicht ausreichen
Ein besonders wichtiger Punkt ist die sogenannte Haftzeit.
Sie bestimmt, wie lange die Versicherung nach einem Schaden Leistungen erbringt.
Viele Verträge sehen lediglich sechs oder zwölf Monate vor.
In der Praxis reicht das häufig nicht aus.
Genehmigungen kosten Zeit
Nach einem größeren Brandschaden muss häufig neu gebaut werden.
Bevor die Bauarbeiten beginnen können, sind oftmals Genehmigungen erforderlich:
- Bauamt
- Brandschutz
- Umweltbehörden
- gegebenenfalls Naturschutzbehörden
Je nach Projekt können diese Verfahren viele Monate dauern.
Auch Lieferengpässe bei Baumaterialien oder lange Wartezeiten bei Handwerksbetrieben verlängern die Wiederaufbauphase zusätzlich.
Aus diesem Grund empfehlen viele Experten heute eine Haftzeit von 24 Monaten, um ausreichend finanziellen Spielraum zu schaffen.
Typische Versicherungslücken in der Landwirtschaft
In unserer Beratung begegnen uns regelmäßig ähnliche Schwachstellen.
Zu niedrige Versicherungssummen
Sind die laufenden Fixkosten zu niedrig angesetzt, reicht die Entschädigung im Ernstfall oft nicht aus.
Eine realistische Kalkulation sollte regelmäßig überprüft werden.
Fehlende Mehrkostenversicherung
Nach einem Schaden entstehen häufig zusätzliche Kosten, beispielsweise für:
- Zukauf von Futtermitteln
- Anmietung von Ersatzmaschinen
- externe Stallplätze
- Ausweichflächen
Nicht jeder Vertrag schließt diese Mehrkosten automatisch ein.
Eingeschränkte Leistungsdefinitionen
Manche Versicherungsverträge leisten nur bei einem vollständigen Betriebsstillstand.
Ein teilweiser Ausfall – beispielsweise einer Maschinenhalle oder eines Melkstandes – kann jedoch ebenfalls erhebliche wirtschaftliche Folgen verursachen.
Deshalb lohnt sich ein genauer Blick in die Vertragsbedingungen.
Checkliste: Ist Ihr Betrieb ausreichend abgesichert?
Prüfen Sie Ihren Versicherungsschutz anhand folgender Fragen:
- Ist eine Betriebsunterbrechung ausdrücklich mitversichert?
- Reicht die Haftzeit auch für einen längeren Wiederaufbau?
- Sind laufende Fixkosten vollständig berücksichtigt?
- Werden auch Mehrkosten für Ersatzmaßnahmen übernommen?
- Wurden Neuanschaffungen und Betriebserweiterungen berücksichtigt?
Wenn Sie eine dieser Fragen nicht sicher beantworten können, besteht möglicherweise Handlungsbedarf.
Warum die Wiederaufnahme des Betriebs häufig länger dauert als erwartet
Die Landwirtschaft ist heute technisch komplexer denn je.
Moderne Stalltechnik, Melkroboter oder automatisierte Fütterungssysteme müssen nach einem Schaden häufig individuell bestellt und installiert werden.
Hinzu kommen gesetzliche Anforderungen an Bau- und Umweltrecht.
Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) informiert regelmäßig über rechtliche Rahmenbedingungen und Entwicklungen in der Landwirtschaft. Ergänzend bietet das Bundesinformationszentrum Landwirtschaft (BZL) zahlreiche Informationen rund um moderne Betriebsführung und Risikomanagement.
Diese Faktoren zeigen, dass ein Wiederaufbau oft deutlich mehr Zeit benötigt als ursprünglich geplant.
Fazit: Die Betriebsunterbrechungsversicherung sichert die Zukunft Ihres Betriebs
Ein Sachschaden allein muss noch keine Existenzkrise bedeuten. Kritisch wird es häufig erst dann, wenn der Betrieb über längere Zeit keine Einnahmen erzielt, die laufenden Kosten jedoch weiterlaufen.
Eine Betriebsunterbrechungsversicherung in der Landwirtschaft schließt genau diese Versorgungslücke. Entscheidend sind dabei eine ausreichend hohe Versicherungssumme, eine passende Haftzeit und ein Versicherungsschutz, der auch Mehrkosten sowie betriebliche Besonderheiten berücksichtigt.
Wir prüfen gemeinsam mit Ihnen Ihren bestehenden Versicherungsschutz, identifizieren mögliche Deckungslücken und entwickeln ein individuelles Absicherungskonzept für Ihren landwirtschaftlichen Betrieb.
