Sechs Wochen Betriebshelfer – und dann? Was passiert mit Ihrem Hof, wenn Sie länger ausfallen, als das System vorsieht?
Als Landwirt tragen Sie jeden Tag Verantwortung – für Ihren Betrieb, Ihre Familie, Ihre Tiere und Ihre Flächen. Fällt der Betriebsleiter durch Krankheit oder einen Unfall aus, steht oft der gesamte Hof vor einer existenziellen Herausforderung.
Viele verlassen sich auf die Leistungen der landwirtschaftlichen Sozialversicherung. Doch die Realität zeigt: Die gesetzliche Absicherung reicht häufig nicht aus, um den Betrieb langfristig aufrechtzuerhalten. In diesem Beitrag erfahren Sie, warum eine Berufsunfähigkeit als Landwirt ein ernstes Risiko darstellt und welche Möglichkeiten Sie haben, sich und Ihren Betrieb finanziell abzusichern.
Die gesetzliche Absicherung endet oft schneller als gedacht
Wird ein Landwirt arbeitsunfähig, kann unter bestimmten Voraussetzungen über die Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) eine Betriebshilfe organisiert werden.
Diese Unterstützung ist für viele Betriebe unverzichtbar. Sie soll sicherstellen, dass Tiere versorgt und notwendige Arbeiten weitergeführt werden können.
Allerdings ist diese Hilfe zeitlich begrenzt und ersetzt kein dauerhaftes Einkommen. Gerade bei längeren Erkrankungen oder einer dauerhaften Berufsunfähigkeit entsteht deshalb schnell eine finanzielle Versorgungslücke.
Die entscheidenden Fragen lauten dann:
- Wer übernimmt die laufenden Kosten des Betriebs?
- Wer bezahlt Kredite, Pacht oder Versicherungen?
- Wovon lebt die Familie?
Warum eine Berufsunfähigkeitsversicherung für Landwirte so wichtig ist
Die Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) zählt zu den wichtigsten privaten Absicherungen für Landwirte.
Sie zahlt eine monatliche Rente, wenn Sie Ihren zuletzt ausgeübten Beruf aus gesundheitlichen Gründen dauerhaft nicht mehr ausüben können.
Dabei geht es nicht nur um schwere Unfälle.
Nach Angaben des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) sind Erkrankungen des Bewegungsapparates sowie psychische Erkrankungen heute die häufigsten Ursachen für Berufsunfähigkeit.
Gerade in der Landwirtschaft kommen zusätzlich körperliche Belastungen hinzu:
- schwere körperliche Arbeit
- Arbeiten mit Maschinen
- Witterungseinflüsse
- Zeitdruck während der Ernte
- hohe Verantwortung für Tiere und Betrieb
Darauf sollten Landwirte bei einer BU achten
Nicht jede Berufsunfähigkeitsversicherung passt zu den Anforderungen eines landwirtschaftlichen Betriebs.
Wichtige Kriterien sind:
Verzicht auf abstrakte Verweisung
Der Versicherer sollte Sie nicht auf einen anderen theoretisch möglichen Beruf verweisen können.
Entscheidend ist, ob Sie Ihren Beruf als Landwirt weiterhin ausüben können.
Ausreichende Rentenhöhe
Die monatliche BU-Rente sollte so bemessen sein, dass laufende Betriebskosten und private Ausgaben weiterhin finanziert werden können.
Passende Vertragsbedingungen
Achten Sie auf transparente Leistungsregelungen sowie Nachversicherungsmöglichkeiten, wenn sich Ihr Betrieb oder Ihre Lebenssituation verändert.
Was tun, wenn eine Berufsunfähigkeitsversicherung nicht möglich ist?
Nicht jeder erhält aufgrund von Vorerkrankungen oder des Alters eine klassische Berufsunfähigkeitsversicherung.
Dennoch gibt es sinnvolle Alternativen.
Erwerbsunfähigkeitsversicherung
Sie leistet, wenn Sie überhaupt keiner beruflichen Tätigkeit mehr nachgehen können.
Der Schutz ist eingeschränkter als bei einer BU, kann aber eine wichtige Grundabsicherung darstellen.
Grundfähigkeitsversicherung
Hier erfolgt die Leistung beim Verlust bestimmter körperlicher Fähigkeiten, beispielsweise:
- Gehen
- Heben
- Greifen
- Treppensteigen
- Autofahren
Gerade für körperlich arbeitende Landwirte kann diese Lösung eine interessante Alternative sein.
Pflegezusatzversicherung
Kommt es zu einer Pflegebedürftigkeit, reicht die gesetzliche Pflegeversicherung häufig nicht aus.
Eine private Pflegezusatzversicherung kann die Versorgungslücke schließen und die finanzielle Belastung für die Familie deutlich reduzieren.
Ausführliche Informationen hierzu finden Sie auch beim Bundesgesundheitsministerium im Online-Ratgeber Pflege.
Warum Sie nicht zu lange warten sollten
Viele Landwirte beschäftigen sich erst mit ihrer Absicherung, wenn bereits gesundheitliche Beschwerden auftreten.
Genau dann wird der Abschluss jedoch häufig schwieriger oder deutlich teurer.
Je früher Sie handeln,
- desto günstiger sind meist die Beiträge,
- desto einfacher verläuft die Gesundheitsprüfung,
- desto größer ist die Auswahl geeigneter Tarife.
Eine frühzeitige Absicherung schafft Planungssicherheit – für Ihren Betrieb und Ihre Familie.
Checkliste: So prüfen Sie Ihren Versicherungsschutz
Stellen Sie sich folgende Fragen:
- Reicht mein Einkommen aus, wenn ich mehrere Monate ausfalle?
- Sind laufende Darlehen und Betriebskosten abgesichert?
- Habe ich bereits eine Berufsunfähigkeitsversicherung?
- Ist die vereinbarte Rentenhöhe heute noch ausreichend?
- Kenne ich Alternativen, falls eine BU nicht möglich sein sollte?
Wenn Sie eine oder mehrere Fragen nicht eindeutig beantworten können, lohnt sich eine unabhängige Überprüfung Ihres Versicherungsschutzes.
Fazit: Berufsunfähigkeit kann jeden Betrieb treffen
Eine längere Erkrankung oder ein schwerer Unfall können jeden landwirtschaftlichen Betrieb innerhalb kürzester Zeit vor große wirtschaftliche Herausforderungen stellen.
Die gesetzliche Absicherung bietet wichtige Unterstützung, ersetzt jedoch keine langfristige Einkommenssicherung. Eine Berufsunfähigkeitsversicherung für Landwirte ist deshalb einer der wichtigsten Bausteine, um den Betrieb, die Familie und die eigene Existenz finanziell abzusichern.
Wir analysieren gemeinsam mit Ihnen Ihre persönliche Situation und zeigen Ihnen, welche Absicherung zu Ihrem Betrieb passt – von der Berufsunfähigkeitsversicherung bis hin zu sinnvollen Alternativen.
